2024 wurde zwischen der Hochschule für bildende Künste Hamburg, der School of Arts der Universität Haifa und dem Deutschen Fördererkreis der Universität Haifa e. V. eine Kooperation zu einer langfristig angelegten Zusammenarbeit zwischen den beiden Hochschulen in Haifa und Hamburg geschlossen. Diese hat den regelmäßigen Austausch von Lehrenden und Kunststudierenden beider Hochschulen im Rahmen von Workshops, Seminaren und Ausstellungen zum Ziel und will den künstlerisch-wissenschaftlichen Dialog zwischen Israel und Deutschland nachhaltig befördern.
Die Kooperation zwischen der HFBK, mit ihrer starken internationalen Ausrichtung und diversen Studierendenschaft, und der Universität Haifa als größtem Treffpunkt von Jüd*innen, Muslim*innen und Christ*innen auf der Welt, versteht sich als stützender Pfeiler in der Freundschaftsbrücke zwischen Deutschland und Israel. Sie stärkt nicht nur den Austausch von Lehrenden und Studierenden der beiden Hochschulen, sondern auch die Verbindung zwischen den Städten Hamburg und Haifa.
2025/2026
Kunst im Austausch: Zwei Stimmen zwischen Haifa und Hamburg
Der künstlerische und akademische Austausch zwischen der School of Arts der Universität Haifa und der Hochschule für Bildende Künste Hamburg lebt vom Dialog zwischen unterschiedlichen Orten, Perspektiven und Erfahrungen. Künstler:innen, Professor:innen und Studierende beider Institutionen arbeiten und lehren im Rahmen dieser Kooperation wechselweise in Haifa und Hamburg.
In unserer Reihe „Faces of the University of Haifa“ stellen wir Ihnen immer wieder Menschen vor, die diesen Austausch prägen. Dieses Mal haben wir die beiden Austauschstudierenden Shai und Yamama (Oktober 2025 bis Februar 2026 in Hamburg an der HFBK) getroffen und mit ihnen über ihre künstlerische Praxis, ihr soziales Engagement und die Ideen gesprochen, die ihre Arbeit zwischen Haifa und Hamburg beeinflussen.


DF: Gibt es ein Material, das dir besonders am Herzen liegt?
Shai: Auf jeden Fall Textilien. Sie spielen eine zentrale Rolle in meiner Arbeit. Ich sammle sie schon seit meiner Kindheit – vor allem aus meiner Familie. Mein Vater zum Beispiel sammelt seit meinem siebten Lebensjahr Jeans für mich. Er hat sie selbst getragen, und als er sie nicht mehr angezogen hat, hat er sie für mich aufgehoben. Mit der Zeit sind daraus riesige Säcke voller Jeans geworden. Für mich tragen Textilien Erinnerungen in sich: Sie riechen nach Menschen, die ich liebe, sie erzählen vom Familienleben. Sie fühlen sich vertraut an – fast lebendig.
DF: Dein Hintergrund verbindet Sonderpädagogik und Bildende Kunst. Wie prägt das deine Arbeit?
Shai: Ich habe neben Bildender Kunst auch Sonderpädagogik studiert und mich besonders für die Arbeit mit schutzbedürftigen Gruppen interessiert. Daraus hat sich auch meine Tätigkeit als Kunstlehrerin im Gefängnis entwickelt. Ich gehe jede Woche dorthin, und wir entwickeln gemeinsam neue Projekte. Mir ist es wichtig, Kunst an einen Ort zu bringen, der stark von Gewalt und Strenge geprägt ist. Diese Stunden sind eine Art Flucht – für die Gefangenen, aber auch für mich selbst.
DF: Fließt diese Erfahrung in deine eigene künstlerische Arbeit ein?
Shai: Sehr stark. Ich darf nicht dokumentieren, was dort passiert – das muss privat bleiben. Also trage ich diese Erfahrungen in mir, und sie verwandeln sich langsam in meine Kunst. Ich träume außerdem davon, eine ehrenamtliche Organisation zu gründen, die Menschen nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis begleitet und sie beim Start in ein neues Leben unterstützt.
DF: Wenn deine Kunst eine Botschaft hätte – wie würde sie lauten?
Shai: In den letzten Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem Motiv der Höhle. Eine Höhle kann Schutz bieten, aber sie kann einen auch gefangen halten. Sie gibt Sicherheit, verhindert aber manchmal den Kontakt zur Außenwelt. Mit meiner Arbeit möchte ich Menschen einladen, sowohl in ihre Höhlen hineinzugehen als auch den Mut zu finden, sie wieder zu verlassen.
DF: In einem deiner Werke steht der Satz: „Du darfst deine Höhle verlassen.“
Shai: Genau. Das ist als Einladung gemeint – innezuhalten, hinter bekannte Titel und Konzepte zu schauen und die eigene Sicht auf die Welt zu hinterfragen.
DF: Und wie beeinfluss dich dein Aufenthalt in Hamburg?
Shai: Ich liebe Hamburg wirklich sehr. Ich bin es nicht gewohnt, in einer so großen Stadt zu leben, und allein das Erkunden dieser Stadt fühlt sich für mich wie ein Teil meines künstlerischen Prozesses an. In gewisser Weise lade ich auch die Betrachter:innen meiner Arbeiten dazu ein, dasselbe zu tun: sich auf Unbekanntes einzulassen und neue Perspektiven zuzulassen.
DF: Wie empfindest du deine Position als israelische Künstlerin heute?
Shai: Das ist kompliziert. Das Programm hier schafft eine Art Schutzblase, was hilfreich ist. Gleichzeitig vermisse ich tiefere Gespräche. Ich spüre ein gewisses Unbehagen in Bezug auf meine jüdische Identität. Angesichts der aktuellen Lage in Israel herrscht eine Art Schweigen. Ich würde es nicht als Boykott bezeichnen, aber ich spüre es.


DF: Wie beeinflusst deine Auslandserfahrung deine künstlerische Praxis?
Yamama: Der Aufenthalt im Ausland hat Distanz geschaffen. Dadurch kann ich weniger aus rohen Emotionen heraus arbeiten, sondern mehr aus Beobachtung und Recherche. Meine Praxis ist strukturierter und in gewisser Weise verständlicher geworden – für andere und für mich selbst. Die Distanz gibt mir Raum zum Nachdenken.
DF: Du arbeitest mit vielen Medien. Wie wählst du das Medium für deine Arbeit aus?
Yamama: Ich wähle es nicht wirklich aus. Das Medium ergibt sich oft aus der Recherche selbst. Manchmal ist die Recherche bereits das Kunstwerk, und ich muss nichts hinzufügen. In anderen Fällen muss es transformiert werden, was mich eher zum Druck oder zur Malerei als zur Installation führt. In diesem Sinne wählt das Werk seine eigene Form.
DF: Was hoffst du, dass die Betrachter aus deiner Kunst mitnehmen?
Yamama: Ich arbeite nicht mit einer einzigen Botschaft. Bei meiner Recherche geht es hauptsächlich darum, mich selbst zu verstehen. Die Werke sprechen für sich, und jeder Betrachter bringt seine eigenen Erfahrungen mit. Was sie fühlen, ist das, was zählt.
DF: Wie gehst du mit sehr persönlichen Themen um?
Yamama: Ein neues Projekt zu beginnen ist oft schmerzhaft. Zunächst bin ich überwältigt von Emotionen, über die ich nicht so leicht sprechen kann. Aber sobald ich mit der Arbeit beginne, kann ich wieder besser atmen. Der Schmerz verschwindet nicht, aber ich finde einen Weg, damit zu leben.
DF: Wie prägt dein Hintergrund deine künstlerische Stimme?
Yamama: Meine Persönlichkeit beeinflusst meine Kunst mehr als alles andere. Ich bin ein ruhiger Mensch, und das spiegelt sich in meiner Arbeit wider. Nach Abschluss eines Projekts fühle ich mich offener – die Arbeit wird zu einer Brücke zwischen meiner inneren Welt und anderen
2025
Interview mit Prof. Assi Meshullam, Kunst-Professor an der Universität Haifa
Im April 2025 lehrt Prof. Assi Meshullam, Kunst-Professor an der Universität Haifa, an der HFBK und teilt im Interview mit uns seine Erfahrungen und Eindrücke – und was er für sich mitgenommen hat.

Prof. Martin Köttering, Dr. h.c. Sonja Lahnstein-Kandel, Dr. Bettina Uppenkamp, Nikolaus W. Schües, Prof. Assi Meshullam (v.l.n.r.)
Ihre Gastprofessur an der HFBK ist eingebettet in eine Kooperation zwischen der Hochschule und
der Universität Haifa. Können Sie kurz erläutern, wie es dazu kam?
Im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen dem „Department of Fine Arts“ der Universität Haifa und der HFBK in Hamburg wurde eine Ausschreibung veröffentlicht: eine, die Studierende einlud, ein Semester an der HFBK zu verbringen, und eine andere, die Dozenten einlud, Vorschläge für ein einmonatiges Seminar einzureichen. Ich schrieb einen Vorschlag, reichte ihn ein, und zu meiner Freude wurde er hier in Hamburg angenommen – von insgesamt drei eingereichten Vorschlägen.
Wie haben Sie sich in Hamburg eingelebt? Was gefällt Ihnen an der Stadt?
Da ich zwei kleine Kinder habe, konnte und wollte ich Israel nur mit meiner Familie verlassen. Wir wurden sehr herzlich empfangen. Wir haben unseren Aufenthalt hier wirklich genossen – vor allem angesichts der Situation in Israel und der Tatsache, wie sehr wir diese Pause brauchten. Ich persönlich habe weitergearbeitet und via Zoom für meine Studenten in Israel unterrichtet, so dass ich nicht viel Freizeit hatte. Der Monat ist also viel zu schnell vergangen. Aber ich habe es geschafft, die Kunsthalle zu besuchen, was für mich sehr wichtig war, ebenso wie das ethnografische Museum (Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt). Ich fand es sehr relevant für das Seminar, das ich unterrichte. Wir haben auch einige Aktivitäten mit den Kindern unternommen, einschließlich des Besuchs des Zoos und des tropischen Aquariums in Hamburg. Das war sehr unterhaltsam und interessant.
Wie hat es Ihrer Familie in Hamburg gefallen?
Dieser Besuch hat meiner Familie gutgetan. Die Kinder haben sich sehr wohl gefühlt, und meine Partnerin Talia hat diese Zeit wirklich gebraucht. Gemeinsam haben sie an vielen Orten Zeit verbracht, die Stadt erkundet und sind sogar ein bisschen außerhalb von Hamburg herumgereist. Wir sind alle ein bisschen traurig, dass es so schnell zu Ende gegangen ist. Unser älterer Sohn geht in die erste Klasse, deshalb ist er einen Monat lang der Schule ferngeblieben. Unsere jüngere Tochter hat ihren zweiten Geburtstag hier in Hamburg gefeiert. Für die beiden war es wirklich ein Monat, in dem sie ununterbrochen mit ihrer Mutter zusammen waren – und ein bisschen mit ihrem Vater, wenn es mein Zeitplan zuließ.
Können Sie kurz die Situation an der HFBK beschreiben: Wie unterscheidet sich die akademische Atmosphäre an den beiden Hochschulen? Wie empfinden Sie den persönlichen Umgang und die fachliche Zusammenarbeit bzw. den Austausch mit anderen Wissenschaftlern?
Meinem kurzen Eindruck nach ist die akademische Struktur an der HFBK ganz anders als die des „Department of Fine Arts“ an der Universität Haifa. Zunächst einmal ist die HFBK eine viel größere Einrichtung mit einer wesentlich höheren Anzahl von Studierenden. Ich habe den Eindruck, dass die akademische Atmosphäre an der HFBK offener ist und man von den Studierenden erwartet, dass sie viel mehr Verantwortung für ihre eigene Entwicklung übernehmen, als an unserem Fachbereich, wo der Lehrplan aufgrund der kleineren Größe – und wahrscheinlich auch aus finanziellen Gründen – viel stärker strukturiert ist. Ich fand es toll, Studierende zu treffen. Aber während der Seminarzeiten war es auf dem Campus sehr ruhig, was den Kontakt zu anderen Fakultäten einschränkte. Trotz meines kurzen Aufenthalts hatte ich sehr positive und freundliche Begegnungen mit wichtigen Akteuren wie Prof. Martin Köttering, dem Präsidenten der HFBK, und Silva Jährling, die für akademische Angelegenheiten und internationale Kooperationen zuständig ist.
Hatten Sie bestimmte Erwartungen und haben sich diese erfüllt? Gab es irgendwelche Herausforderungen, denen Sie sich stellen mussten?
Glücklicherweise hatte ich keine größeren Schwierigkeiten. Ich hatte den Eindruck, dass politische Fragen und Themen während meines Aufenthalts weitgehend ausgeblendet wurden. Ich habe die Studierenden offen aufgefordert, über meinen israelischen Hintergrund zu sprechen, aber nur einer äußerte respektvoll sein Unbehagen. Ich selbst fühle mich sehr unwohl mit der derzeitigen Situation in Israel und hätte jedes Bedenken verstanden. Wäre ich auf solche Reaktionen gestoßen, hätte ich gerne die komplexe Realität und die Tatsache dargelegt: Die Meinungen in Israel über die Situation sind sehr geteilt. Die Universität, an der ich arbeite, ist ja beispielsweise eine sehr liberale Einrichtung, an der Menschen aller Religionen gemeinsam studieren. Unser Fachbereich unternimmt große Anstrengungen, um Gemeinsamkeiten zu vertiefen und die Koexistenz zwischen Juden und Arabern in Haifa und in Israel im Allgemeinen zu stärken. Die Dinge sind viel komplexer, als sie aus der Ferne erscheinen mögen.
In welchen Kursen haben Sie unterrichtet und wie haben Sie die Resonanz und den interkulturellen Austausch mit den Studierenden erlebt?
Ich habe ein Seminar mit dem Titel „The Animistic Workshop“ unterrichtet. Dieses war teilweise von einem längeren Kurs abgeleitet, den ich zuvor in Israel durchgeführt hatte. Vor meiner Ankunft in Hamburg übersetzte ich die Materialien ins Englische, aktualisierte meine Vorträge und Präsentationen und war insgesamt recht gut vorbereitet. Da ich den akademischen Hintergrund der HFBK-Studenten nicht kannte, fand ich es jedoch schwierig, die Beteiligung der Studierenden einzuschätzen. Es war auch das erste Mal, dass ich einen ganzen Kurs auf Englisch gehalten habe. Obwohl mein Englisch recht gut ist, kann ich mich in der Sprache nicht so frei zwischen den Wörtern und Ideen bewegen wie im Hebräischen. Ich bin sicher, dass ich noch sprachgewandter und gelassener gewesen wäre, wenn ich etwas mehr Zeit gehabt hätte.
Auf welche Inhalte haben Sie sich im Rahmen des Lehrplans konzentriert? Welche künstlerischen oder theoretischen Impulse aus Ihrer Arbeit haben Sie hier konkret eingebracht?
Der Inhalt des Seminars war etwas, das mich persönlich – auch als Künstler – sehr beschäftigt hat. Es verband Theorie und Praxis und bezog sich auf Bereiche wie Anthropologie, Psychologie, Mythologie, Religionswissenschaften und mehr. Die Vorlesungen befassten sich mit Fragen des Bewusstseins und der Wahrnehmung und zielten darauf ab, den Studierenden neue Denkweisen über die Kunst und die Welt im Allgemeinen zu vermitteln – vor allem im Zusammenhang mit der aktuellen globalen Krise. Der Kurs war halb theoretisch und halb praktisch. Er bestand aus vier Teilen, die aus Zeitgründen auf drei reduziert wurden, die jeweils aus einer Vorlesung und einer praktischen Workshop-Aktivität bestanden. Die Studierenden sollten Wege finden, jenes in der Vorlesung vermittelte Wissen in ihrer eigenen künstlerischen Praxis anzuwenden.
Was haben Sie aus Ihrer Zeit in Hamburg mit nach Haifa genommen?
Studierende zu unterrichten, die nicht meine Muttersprache sprechen und aus anderen kulturellen Kontexten kommen als ich – das war eine bedeutende Erfahrung für mich. Aus meiner Sicht war es wirklich zu schnell vorbei. Ich hoffe, dass ich bald die Gelegenheit haben werde, hierher zurückzukehren. Es bleibt das Gefühl, dass die Themen, die im Seminar behandelt wurden, wichtig und dringend sind. Die Möglichkeit, diese Ideen mit den Studierenden zu teilen und eine offene Diskussion mit ihnen zu führen, das war wirklich faszinierend. Die Unabhängigkeit der Studierenden und die Art und Weise, wie hier studiert wird, haben mich definitiv zum Nachdenken über unsere Lehrmethoden an der Universität Haifa gebracht. Ich werde diese Gedanken sicherlich mit meinen Kollegen teilen – auch, wenn ich noch nicht weiß, wie ich daraus praktische Schlussfolgerungen ziehen soll. Beide Einrichtungen sind in ihrer Art und ihrem Wirken einfach sehr unterschiedlich.
2024/2025
Interview mit Noam Ivry, Studentin der Bildenden Künste und Kriminalistik

- Liebe Noam, vorweg würden wir gern wissen: Warum hast du dich für ein Studium an der Universität Haifa entschieden?
„Ich bin in einer kleinen Stadt aufgewachsen und habe beschlossen, ein Jahr in Tel Aviv zu verbringen. Ich habe mich für ein Studium an der Universität Haifa entschieden, weil das Umfeld dort im Vergleich zu anderen Universitäten viel vielfältiger ist. Die Universität von Haifa bietet zudem eine einzigartige Mischung aus Tradition und Stadtleben. Für mich ist sie der ideale Ort, um zu studieren und gleichzeitig kann ich die Umgebung genießen.“
- Wie kann man sich die derzeitige Situation in Haifa vorstellen?
„Die derzeitige Situation ist unglaublich schwierig für mich. Zum Beispiel sind die Gebäude hier, einschließlich meiner Wohnung, nicht konzipiert, Raketenangriffen standzuhalten. Aus Sicherheitsgründen musste ich deshalb in das Haus meiner Eltern zurückziehen. Es war auf vielen Ebenen einfach sehr mühsam. Sogar die Kurse an der Universität wurden aufgrund der anhaltenden Situation online umgesetzt. Die Ungewissheit und der ständige Stress haben dazu geführt: Alles hat sich erdrückend anfühlt und es war schwer, eine gewisse Routine aufrechtzuerhalten.“
- Du hast drei Jahre in der israelischen Armee gedient und warst in dem Kontext auch als Outdoor-Tourguide tätig: Was hat dich in der Zeit besonders geprägt?
„Es war ein sehr komplexes Umfeld, vor allem wenn es um das Verständnis des Konflikts geht. Die Soldaten haben bestimmte Werte: Die muss man begreifen, um die Situation zu verstehen.“
- Welchen Kunststil fokussierst du in deinem Wirken? Was möchtest du mit deiner Kunst ausdrücken, wo liegt der Schwerpunkt?
„Das ist eine schwierige Frage, weil sie sich in dieser Phase ständig ändert. Es fühlt sich an, als ob es sich ständig verschiebt und sich nicht wirklich weiterentwickelt. Mein Fokus liegt eher auf der Ich-Perspektive. Ich lebe in einem Kriegsgebiet und ich fühle mich machtlos. Und durch meine Kunst habe ich das Gefühl, die Kontrolle darüber zu haben, wie ich mich fühle und die Welt verstehe. Es geht darum, Dinge, Erfahrungen und Geheimnisse zu teilen.
- Neben den Bildenden Künsten studierst du auch Kriminalistik – wie kam es zu dieser interessanten Kombination und lassen sich hier Parallelen ziehen?
„Ich habe lange Zeit im Bildungswesen gearbeitet und während meines ‚Zwischenjahres‘ Menschen getroffen, die im Gefängnis waren oder aus schwierigen Familienverhältnissen kamen. Das weckte mein Interesse und ich verspürte den starken Wunsch nach mehr Gerechtigkeit für diese Menschen. Bildende Kunst und Kriminologie sind eine Mischung aus diesen beiden Welten. Sie koexistieren im selben Lebensraum und erforschen, was die Wege, die wir wählen, prägt – einschließlich der dunklen Bereiche unserer Seele.“
- Wie hast du von dem Austauschprogramm mit der HFBK erfahren und was hat dich motiviert, teilzunehmen?
„Ich habe von diesem Austauschprogramm durch Sharon Poliakine erfahren, die letztes Jahr meine Professorin für Malerei und Drucktechnik an der Universität Haifa war. Auch sie besuchte die HFBK – im letzten April. Dieses Programm hat mich inspiriert, weshalb ich mich entschlossen habe, daran teilzunehmen.“
- Wie empfindest du die Willkommenskultur an der HFBK? Und darüber hinaus: Bemerkst du einen weltweiten „silent boycott“ gegenüber israelischen Kulturschaffenden?
„An der HFBK wurde ich wirklich sehr herzlich aufgenommen. Das Studiensystem ist anders als an der Universität Haifa, aber ich habe Menschen um mich herum, die mich unterstützen. Ich habe einen weltweiten „stillen Boykott“ gegen israelische Künstler festgestellt. Er ist sowohl still als auch nicht still – je nachdem, mit wem ich spreche. Manchmal, wenn Leute mich nach meiner Herkunft fragen, und ich Israel sage, gibt es einen kurzen Moment der Anspannung. Aber das ist ganz unterschiedlich, nicht jeder reagiert so. Diese aktuelle Situation ist an der HFBK sehr präsent, vor allem wenn man sich die Aufkleber in den Toiletten oder Klassenräumen ansieht.“
- Am 11. Dezember startet deine Ausstellung: Wie ist diese genau ausgerichtet?
„Sie konzentriert sich auf meinen Körper und unsere Körper, mit dem Thema der Heilung und ist Teil meiner Metallarbeiten. Es werden neun weitere Künstler anwesend sein, darunter auch einige aus Nigeria, die ihre Heimat vorstellen.“
- Du lebst derzeit in einer Studierenden-WG in der Hamburger Karolinenstraße: Wie ist der Austausch mit deinen Kommilitonen – auf der persönlichen und auf der künstlerischen Ebene?
„Sie geben mir das Gefühl, in Hamburg willkommen zu sein, und es ist wichtig zu erwähnen, dass wir auch schwierige politische Entscheidungen diskutiert haben. Diese Gespräche fanden aber immer in einer respektvollen und höflichen Atmosphäre statt, was für mich eine große Erleichterung war.“
- Insgesamt bleibst du sechs Monate in Hamburg: Welche Erwartungen hast du an den Austausch und generell an das Studium hier?
„Es ist nicht das erste Mal, dass ich in Europa unterwegs bin, aber es ist das erste Mal, dass ich es im Rahmen eines Studiums mache. Meine größte Erwartung ist es, neue Dinge zu lernen, eine andere Kultur zu erleben und eine kältere Stadt zu erkunden, was Hamburg definitiv ist.“
2024
Eröffnung der Ausstellung „we only see what looks at us“ und Workshop
Erste Zusammenarbeit der HFBK (Hochschule der Bildenden Künste) und der University of Haifa, Initiator der Kooperation ist der Deutsche Fördererkreis der Universität Haifa.

Austellungseröffnung „we only see what looks at us“ mit Katharina Fegebank (Wissenschaftssenatorin und zweite Bürgermeisterin, BWFGB Hamburg), Dr. h.c. Sonja Lahnstein-Kandel (Vorsitzende des Vorstandes Deutscher Fördererkreis), Prof. Sharon Poliakine (Dekanin der School of Arts, University of Haifa), und Prof. Martin Köttering (Präsident, HFBK Hamburg)
Am 17. April 2024 eröffnete Katharina Fegebank, Hamburgs Wissenschaftssenatorin und Zweite Bürgermeisterin, in der ICAT Galerie der HFBK die Ausstellung We Only See What Looks at Us. Sie zeigt das Ergebnis eines intensiven künstlerischen Austauschs, der im Rahmen eines zweiwöchigen Seminars an der HFBK zwischen den beiden Künstlerinnen Sharon
Poliakine (Leiterin der School of Arts, Universität Haifa) und Birgit Brandis (Künstlerische Leiterin des Workshops Drucktechniken der HFBK) sowie elf Studierenden der HFBK stattgefunden hat.
Über vier Tage hatten Studierende und Dozentinnen gemeinsam Druckplatten gestaltet, digitale und analoge Drucktechniken angewendet, Assemblagen sowie Collagetechniken eingesetzt und sich bewusst Zeit für den Entstehungsprozess der Bilder genommen. Nach einer Exkursion arbeiteten sie vier weitere Tage zusammen, diskutierten und erforschten, wie verschiedene künstlerische Ansätze interagieren und Diskussionen oder Irritationen auslösen können. So wuchs die Ausstellung an den Wänden der ICAT-Galerie.
Der Workshop im April 2024 war das erste gemeinsame Projekt im Rahmen einer neuen Kooperation zwischen den beiden Kunsthochschulen. Zur Ausstellungseröffnung unterzeichneten Professorin Sharon Poliakine und HFBK-Präsident Martin Köttering im Beisein von Dr. h.c. Sonja Lahnstein den Kooperationsvertrag. Die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Fördererkreises hatte die Kooperation vermittelt. Im Fokus der langfristig angelegten Zusammenarbeit steht der Austausch von Lehrenden und Studierenden durch Workshops, Seminare und Ausstellungen. Nach Sharon Poliakine übernimmt im April 2025 der Künstler Assi Messhullam eine Gastprofessur an der HFBK.
»Das Bemühen um den künstlerischen Dialog und die persönliche Begegnung von Israelis, Palästinenser*innen und
Deutschen […] ist unerlässlich, um den Konflikten unserer Zeit zu begegnen, Verständnis zu ermöglichen und Zukunftsperspektiven imaginieren zu können«, sagt HFBK-Präsident Martin Köttering.
Presseresonanz: Zeit online HFBK Hamburg und Universität Haifa: Eine Freundschaft, die Brücken baut | ZEIT ONLINE, taz Deutsch-israelische Kunst-Kooperation: Verbindende Schichten – taz.de sowie weitere Medien berichteten über die neue Partnerschaft: Neue Partnerschaft: Kunsthochschule HfbK kooperiert mit Haifa | NDR.de – NDR 90,3, Schabat Schalom 26. April 2024 | NDR.de – Nachrichten – NDR Info. PhotoCredit: Tim Albrecht.





