Aktuell: Aktuell

Newsletter 2.10

[dm]46[/dm]

Enge Familienbande bringen unabhängigere Erwachsene hervor

irit yanierHaifa, 2. Dezember 2007. Junge Erwachsene, die ein enges Verhältnis zu ihren Eltern pflegen, sind oft unabhängiger in ihren Lebensentwürfen als solche, deren Verhältnis zu den Eltern distanziert ist. Das ist das Ergebnis einer Studie der Haifaer Wissenschaftlerin Dr. Irit Yanir, bei der sie Interviews mit Psychologen, Eltern und jungen Erwachsenen zwischen 23 und 27 Jahren führte. Dabei kam heraus, dass junge Erwachsene, die ein enges und harmonisches Verhältnis zu ihren Eltern pflegen, finanziell abgesicherter, unabhängiger im täglichen Leben sowie beruflich gefestigt waren. Sie fühlten sich zudem reifer und hatten stabile Liebesbeziehungen. Diejenigen mit einem distanzierten Verhältnis zu ihren Eltern, die Entscheidungen aus einem Bedürfnis treffen, gegen die eigenen Eltern zu rebellieren, zeigten sich dagegen im täglichen Leben weniger autonom und emotional gefestigt.

Computer erkennen Kunstwerke

computer erkennt kunstwerkeHaifa, 5. November 2007. Wissenschaftler von der Universität Haifa bringen Computern bei, echte van Goghs von Fälschungen zu unterscheiden. Ein mathematisches Programm, das am Institut für Informatik der Universität Haifa entwickelt wurde, befähigt die Rechner, den Malstil bestimmter Künstler zu identifizieren. Dabei übersetzt das Programm Bilder von Natur, Menschen, Blumen und anderen Motiven in eine Reihe mathematischer Symbole anhand derer der Computer den individuellen Malstil eines Künstlers erkennt. Dadurch kann er auch Kunstwerke, die ihm noch nie vor die Linse gekommen sind und die andere Motive zeigen, einem bestimmten Maler zuordnen. »Sobald der Computer lernt, das Uhrenbild von Salvador Dali zu erkennen, wird er auch andere Werke Dalis ohne Uhren erkennen. Sobald er die Wirbel von van Gogh erkennt, wird er sie auch in Bildern des Künstlers erkennen, die er noch nie zuvor gesehen hat«, so Prof. Keren, der das Programm entwickelt hat. Seine Arbeit ist ein Schritt vorwärts in dem Forschungsgebiet der Computervision. Gemäß Prof. Keren ist das Sehvermögen der Computer jedoch noch immer dem der Menschen unterlegen. So können die Rechner etwa keine Gesichter erkennen. Prof. Keren: »Das menschliche Sehvermögen hat sich in Millionen Jahre Evolution entwickelt. Unser Fachgebiet ist dagegen erst 30 Jahre alt.« Gegenwärtig ist das Kunsterkennungs-Programm von der Uni Haifa für Kunstliebhaber ohne große Vorkenntnisse hilfreich, aber nicht für ausgewiesene Kunstexperten.

Prof. Kerens Arbeit wurde bereits 2003 publiziert und wird nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.

Besuch von hochrangigen Vertretern britischer Universitäten

Haifa, 24. Oktober 2007. Eine Delegation von Universitätsrektoren aus Großbritannien hat die Universität Haifa besucht, um nach den gescheiterten Boykottdrohungen der britischen Hochschullehrer­gewerkschaft UCU ihre Solidarität mit israelischen Akademikern zu zeigen. Sie trafen mit Unipräsident Prof. Aaron Ben-Ze’ev, der Vizepräsidentin für Außenbeziehungen Prof. Ada Spitzer, dem Vizepräsidenten und Forschungsdekan Prof. Majid Al-Haj, Vizerektor Prof. David Faraggi sowie hochrangigen Fakultätsangehörigen zusammen und berieten über Möglichkeiten für akademische Kooperationen zwischen Israel und Großbritannien. Der Präsident der Universität Haifa, Prof. Aaron Ben Ze’ev äußerte seine Freude über die Einstellung des Boykottvorhabens: »Wir müssen uns nun auf die Forschung und die wissenschaftliche Zusammenarbeit konzentrieren.«

Die Delegation, die von der britischen Regierung unterstützt wurde und Akademiker aus Schottland, Wales und England umfasste, wurde von Prof. Rick Trainor, Präsident von Universities UK und Vizekanzler des King’s College London angeführt. Prof. Trainor drückte seine Bestürzung über das geplante Boykottvorhaben britischer Hochschullehrer aus: »Es gibt einen absoluten Widerspruch zwischen der akademischen Welt und Boykottdrohungen.« Die anwesenden Fakultätsangehörigen der Universität Haifa schlugen die Gründung einer binationalen Wissenschaftsstiftung vor, die britisch-israelische Forschungsvorhaben fördern könne.

Neuer Vorsitzender des Exekutivausschusses

yossi bacharHaifa, Oktober 2007. Der frühere Generaldirektor des israelischen Finanzministeriums, Dr. Yossi Bachar, ist zum neuen Vorsitzenden des Exekutivausschusses der Universität Haifa gewählt worden. Von 2003 bis 2007 hatte der 52-Jährige seinen Posten beim Finanzministerium inne und in dieser Zeit wichtige makroökonomische Reformen in Gang gebracht, die zu einem Aufschwung der israelischen Wirtschaft führten. Vor seiner Zeit beim israelischen Finanzministerium arbeitete Dr. Bachar als Manager bei einem der führenden israelischen Wirtschaftsprüfungsunternehmen.

Dr. Bachar schloss sein Wirtschaftsstudium an der Hebräischen Universität Jerusalem mit Auszeichnung ab. Er promovierte an der Universität von Kalifornien in Berkeley. Von 1986 bis 1991 war er Fakultätsmitglied an der Graduate School of Business der Columbia Universität. In den frühen 1990 er Jahren war er Berater der israelischen Sicherheitsbehörde und gehörte der Fakultät der Business School an der Universität von Tel Aviv an.

Dr. Bachar dankte den Mitgliedern des Exekutivausschusses für seine Wahl und sagte, er freue sich auf die Herausforderung dieses Amtes: »Wir haben die Möglichkeit, die Universität Haifa weiter zu entwickeln und zu einem Anker für die ökonomische Entwicklung der Stadt Haifa und ganz Nordisraels zu machen.«

Zufallsfund: Antiker Abwasserkanal Jerusalems

Haifa, 10. Sept. 2007. Archäologen von der Universität Haifa und der israelischen Antikenbehörde haben bei Ausgrabungen in Jerusalem einen sensationellen Fund gemacht: einen 2000 Jahre alten Abwasserkanal, der sehr wahrscheinlich als Fluchttunnel bei der Eroberung der Stadt durch die Römer diente. Per Zufall stießen die Archäologen bei der Freilegung einer Herodianischen Straße südlich des Jerusalemer Tempelbergs auf den in den Fels gehauenen Tunnel.

Tonscherben und Münzen erlauben es, den Abwasserkanal etwa auf das Jahr 70 nach Christus zu datieren – dem Zeitpunkt vom Fall Jerusalems und der Zerstörung des Tempels durch die Römer. Die Forscher fanden auch Kochgeschirr und Brandspuren, die darauf hindeuten, dass sich Menschen längere Zeit darin aufgehalten haben. Bisher wurden von dem mannshohen Tunnel, der unter Schutt begraben war, etwa 100 Meter freigelegt. Wahrscheinlich führt er vom Süden der Altstadt an der Klagemauer vorbei, über einen Kilometer weit bis zum Damaskustor im Norden. Die Wände des Tunnels sind aus bis zu ein Meter dicken Quadersteinen gebildet und bis zu drei Meter hoch. Der Kanal diente wahrscheinlich als Hauptabwasserleitung des antiken Jerusalem und führte Regenwasser aus der Stadt hinaus ins Kidrontal, von wo es ins Tote Meer abfloss. Ausgrabungsleiter Ronny Reich, Archäologieprofessor an der Universität Haifa, sagte, das antike Jerusalem in der Periode des Königs Herodes und zur Zeit Jesu sei eine sehr moderne Stadt mit guter Infrastruktur gewesen. Nach Angaben von Eli Schukrun von der Antikenbehörde, der die Ausgrabung zusammen mit Prof. Reich leitete, scheinen aufständische Juden in den Untergrund geflüchtet zu sein, als die Römer im Jahr 70 die Stadt und auch den Tempel in Schutt und Asche legten. Keine der gefundenen Münzen und Tonscherben ist jüngeren Datums. Das deutet darauf hin, dass der Abwasserkanal nach dem Fall Jerusalems in Vergessenheit geriet. Tausenden von Jerusalemer Bürgern mag er aber als Fluchtweg vor dem sicheren Tod bei der Brandschatzung der Stadt gedient haben.

Werner-Otto-Graduate-Programm: 77 Stipendiatinnen in sechs Jahren

werner otto graduate programmHamburg, September 2007. Auf sechs erfolgreiche Jahre blickt das Werner-Otto-Graduate-Programm des Deutschen Fördererkreises zurück: 77 begabte und engagierte arabische Studentinnen wurden seit 2001 mit dem Stipendium des Programms gefördert. Mit der finanziellen Unterstützung können sie ohne Druck ihr Graduate- oder Postgraduate-Studium beenden.

Die Stipendiatinnen zeichnen sich neben brillanten studentischen Leistungen durch großes gesellschaftliches Engagement aus. Dr. Faisal Azaiza, Leiter des Jüdisch-Arabischen-Zentrums der Universität Haifa: »Die Stipendiatinnen sind hervorragende Studentinnen aus verschiedenen Fachgebieten der Universität Haifa. Sie widmen sich darüber hinaus sozialen und erzieherischen Aktivitäten in ihren Heimatgemeinden, sind Anwälte für die Menschenrechte, die Frauenrechte und weitere wichtige Themen. Wir hoffen, dass die Stipendien ihnen helfen, sich akademisch auszuzeichnen und zu Führungspersönlichkeiten heranzureifen.« Das Jüdisch-Arabische-Zentrum der Universität Haifa ist Partner des Deutschen Fördererkreises bei der Auswahl der Stipendiatinnen.

Jedes Jahr gehen mehr Bewerbungen von begabten, hoch motivierten und erfolgreichen Studentinnen ein, sodass die Auswahl stetig schwieriger wird. Bewarben sich anfangs vor allem Studentinnen der Erziehungswissenschaften, ist nun eine steigende Zahl von Studentinnen anderer Fachrichtungen wie Jura, Soziologie, Evolutionsbiologie oder Kunst unter den Bewerberinnen. Darin spiegelt sich die Vielfalt der Interessen und Begabungen junger arabischer Frauen in Israel, aber auch ihre fortschreitende Emanzipation, wider.

Die Stipendiatinnen des Werner-Otto-Graduate-Programms kommen aus verschiedenen religiösen und ethnischen Gruppierungen. Es sind Drusinnen, Christinnen und Musliminnen darunter. Sonja Lahnstein-Kandel, Vorsitzende des Deutschen Fördererkreises: »Für die Studentinnen bedeutet es sehr viel, dass die Unterstützung aus Deutschland kommt. Es ist ein Zeichen echter Freundschaft mit der Universität Haifa, wenn Angehörige der ethnischen Minderheiten zum akademischen und beruflichen Erfolg ermutigt werden, sodass jeder, egal ob Angehöriger einer Mehrheit oder Minderheit, von ihrer Begabung und ihrem Wissen profitiert.«

Energie aus dem Meer

energie aus dem meerHaifa, 23. Aug. 2007. Knapp unter dem Meeresboden lagert Gas, das einmal als Alternative zum Erdöl dienen könnte. Das hoffen Wissenschaftler des neuen Instituts für Meereswissenschaften an der Universität Haifa und der Stanford Universität. In einem gemeinsamen Forschungsvorhaben suchen sie nach Möglichkeiten, wie aus dem unterseeischen Gas, das prinzipiell weltweit zu finden ist, Energie gewonnen werden kann. »Eines der vordringlichsten Ziele des neuen Forschungsinstituts ist, die Möglichkeiten der Energiegewinnung aus dem unterseeischen Gas zu erforschen und damit die Abhängigkeit vom Öl zu beseitigen«, sagte Leon Charney, der mit einer acht Millionen-Dollar-Spende die Gründung des Intituts für Meereswissenschaften ermöglicht hatte, das nun seinen Namen trägt.

Am neuen Institut für Meereswissenschaften wird interdisziplinär zu Themen wie Geologie, Geophysik, Biologie sowie Marinestrategie und Archäologie geforscht.

Fußabdruck aus der Antike

Haifa, 18. August 2007. Der Abdruck einer römischen Sandale, konserviert über fast 2.000 Jahre – diesen spektakulären Befund fanden israelische Archäologen bei Ausgrabungen in der römisch-hellenistischen Stadt Sussita im Osten des Sees Genezareth. Der Abdruck unweit der Stadtmauer von Sussita stammt von einer römischen Militärsandale, was ein neues Bild auf die Verhältnisse im römisch besetzten Palästina wirft. Der Fußabdruck entstand höchstwahrscheinlich beim Bau der Stadtmauer. Das Erstaunliche: Bisher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass die römischen Besatzer nicht in Bauprojekte israelischer Städte involviert waren. Der mutmaßliche Fußabdruck eines römischen Legionärs legt nun nahe, dass die Soldaten doch beim Bau der Stadtmauer halfen. Ausgrabungsleiter Arthur Segal von der Universität Haifa hat eine andere Vermutung: »Es kann sein, dass der Besitzer der Sandale kein Wehrdienstleistender, sondern ein alt gedienter Soldat gewesen ist, der seine Ausrüstung nach Ende seiner Militärzeit behalten hat.« Im vergangen Jahr waren in Sussita zwei Inschriften gefunden worden, die von zwei Bewohnern stammten, die zuvor in der römischen Armee gedient hatten. Die Stadt Sussita bestand rund 1.000 Jahre, bevor sie im 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung durch ein Erdbeben völlig zerstört und nie wieder aufgebaut wurde.  (Quelle: www.israelnetz.com)

Prof. Majid Al-Haj zum Vizepräsident für Forschung ernannt

Haifa, 5. Juli 2007. Der Aufsichtsrat der Universität Haifa (Board of Governors) hat Prof. Majid Al-Haj zum Vizepräsidenten und Forschungsdekan gewählt. Prof. Al-Haj ist Soziologe und forscht zu den Themen Multikulturalismus, politische Soziologie, ethnische Beziehungen und Immigration. Er lehrte als Gastprofessor unter anderem an der Carleton University in Kanada und der Duke University in den Vereinigten Staaten. Prof. Al-Haj engagiert sich in zahlreichen Gremien. Als erster Araber gehörte er dem israelischen Rat für höhere Bildung an. Daneben war er unter anderem Vorsitzender des Komittees für die Förderung der höheren Bildung unter der arabischen Bevölkerung in Israel.