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National Security Studies Center

Eine Frage der Sicherheit in Krisenzeiten

soldatDas »National Security Studies Center« – operiert hier hinter verschlossenen Türen das israelische Militär? Nein, im Gegenteil. Das Institut der Universität Haifa wurde im Jahr 2000 von den Wissenschaftlern Prof. Gabi Ben-Dor und Prof. Arnon Soffer gegründet, um interdisziplinär über das Thema »nationale Sicherheit« zu forschen. Inzwischen kooperiert das Zentrum eng mit der israelischen Armee, damit ihre Offiziere auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet sind.

Der Politikwissenschaftler Gabi Ben-Dor ist alles andere als ein »Falke«. Er ist ein Wissenschaftler durch und durch, einer mit Blick für die scharfe Analyse und dabei immer die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenhänge vor Augen. Kein Wunder, denn Gabi Ben-Dor ist Direktor des National Security Studies Center an der Universität Haifa – ein Think Tank für die israelische Regierung und für das israelische Militär. In den zurückliegenden Jahren hat er Hunderte von israelischen Offizieren in seinem Institut unterrichtet, damit sie sowohl politisch als auch psychologisch und strategisch auf die Herausforderungen für den Staat Israel vorbereitet sind.

Interdisziplinäre Forschung

gabi ben-dorDas Institut ist alles andere als eine Drillanstalt für Offiziere. Es ist ein Forschungsinstitut, das sich vor allem vier Ziele gesteckt hat: Forschung auf höchstem Niveau; einen interdisziplinären Ansatz; Unterstützung der Politik; Anregung der öffentlichen Debatte. Deswegen forschen und unterrichten hier 18 internationale Experten intensiv über jeden erdenklichen Aspekt der nationalen Sicherheit – sei es Technik, Politik, Wirtschaft, Geografie oder gesellschaftliche und kulturelle Strukturen. »Der Bedarf für einen interdisziplinären Ansatz ist enorm, denn anders kann man die Herausforderungen und Bedrohungen der Zukunft weder verstehen noch lösen«, sagt Gabi Ben-Dor, der 1972 an der Princeton University promoviert hat und seitdem an der Universität Haifa unterichtet.

Im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht die Politik im Nahen Osten, das Verhältnis Gesellschaft und Militär sowie die Konfliktforschung. Das Resultat seiner Forschung: sieben Bücher und mehr als 120 Aufsätze über diese Themen. Unlängst horchte die Öffentlichkeit in Israel auf, als Ben-Dor seine empirische Analyse über die »Sozialen Grundlagen für Israels nationale Sicherheit« nach der Terrorwelle im April 2002 veröffentlichte. Insgesamt befragten er und seine Mitarbeiter 2.000 jüdische und arabische Staatsbürger. Das überraschende Resultat: Die größte Bedrohung für die nationale Sicherheit Israels ist das sinkende Vertrauen seiner Bürger in die sozialen und politischen Institutionen. Die These ist auch ein Beleg dafür, dass das Institut eine langfristige Lösung für den Nah-Ost-Konflikt nicht im permanenten Einsatz von militärischer Gewalt sieht.

Israel – eine Nation in Waffen?

Palästinensischer Sicherheitsbeamter und israelischer Soldat reichen sich die Hand.In den vergangenen Jahren haben sowohl Journalisten als auch Politiker und Militärexperten das Phänomen beobachtet, dass immer weniger israelische Staatsbürger bereit seien, aktiv im Militär zu dienen. Dabei ist die Existenz einer intakten Armee von einem vitalen Interesse des israelischen Staats. Das Institut hat dieses Phänomen studiert und Tausende erwachsener Bürger nach ihren Motiven für oder gegen den Militärdienst befragt. Die Ergebnisse wurden den Entscheidungsträgern in Politik und Armee vorgelegt, die daraufhin die Struktur innerhalb der israelischen Armee veränderten.

Ein dynamisches Konzept

Ein Hochzeitspaar wird von einem israelischen Soldaten kontrolliert.Doch mit diesen Ergebnissen sind Gabi Ben-Dor und seinen Kollegen längst noch nicht zufrieden: »Nationale Sicherheit ist ein dynamisches Konzept, das immer den gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Wandel berücksichtigen muss«, erklärt der Direktor, »denn der schlimmste Feind guter Sicherheitspolitik ist die Routine und damit die Unfähigkeit, Veränderungen wahrzunehmen und darauf zu reagieren.« Die Arbeit des National Security Studies Center hat also erst begonnen. Denn eine Welt, die sich ständig verändert, wird neue Herausforderungen und neue Bedrohungsszenarien entwickeln. Deswegen wird im NSSC auch niemals hinter verschlossenen Türen geforscht werden. Denn nur wer seine Tür offen hält, kann Veränderungen wahrnehmen und darauf reagieren.