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Universität

Freunde gewinnen, Vorurteile abbauen!

Campus der Universität HaifaDer erste Eindruck ist für einen Besucher der Universität Haifa faszinierend.
Auf dem Berg Karmel, wo im 12. Jahrhundert der katholische Bettelorden der Karmeliter gegründet wurde, flanieren junge Studenten über einen modernen Campus im Architekturstil der 70er Jahre. Mit rund 17 500 Studenten ist die Universität Haifa die drittgrößte des Landes und gilt als die liberalste Hochschule Israels. Juden, Drusen, äthiopische Einwanderer, Araber, Militär- und Polizeioffiziere studieren hier friedlich nebeneinander - allein 17 Prozent der Kommilitonen sind Araber, so viele wie an keiner anderen Universität Israels.

Seit ihrer akademischen Anerkennung im Jahr 1972 hat sich die Universität Haifa einen vorzüglichen Ruf erworben.
Einerseits, weil die multikuturelle Studentenschaft mehr denn je die gesellschaftliche Realität Israels widerspiegelt, und Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Studenten tagtäglich den Dialog zwischen den ethnischen Gruppen anstreben. Andererseits , weil die Wissenschaftler der Universität Haifa aus den unterschiedlichsten Disziplinen hohe nationale und internationale Anerkennung genießen. Beide Faktoren - der Dialog der Kulturen und das wissenschaftliche Renomee - erklären, warum sich die Studentenzahlen in den zurückliegenden acht Jahren verdoppelt haben. Im Studienjahr 1990/91 registrierte die Uni lediglich 6.121 Studenten, im Jahr 1996/97 waren es 12.483.

Uni CampusDer Anstieg der Studentenzahlen in der ersten Hälfte der 90er Jahre hat einen sozialpolitischen Hintergrund.
Mehr und mehr junge Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten, besonders aus dem Norden Israels, sollen eine akademische Ausbildung erhalten und nach dem Diplom oder der Promotion gesellschaftliche Aufgaben übernehmen und zu Führungspersönlichkeiten aufsteigen. Dieses Konzept hat sich als erfolgreich erwiesen.
Die Universität Haifa ist zu einem Magneten für junge ehrgeizige und talentierte Israelis geworden, die ihren ersten akademischen Abschluß erwerben wollen.

Auch die Konzentration auf die Magister- und Promotionsstudiengänge hat sich als richtig herausgestellt.
Im Juni 1998, als insgesamt 3.445 Graduierte der Universität für ihr erfolgreiches Studium ausgezeichnet wurden, verzeichnete die Universität Haifa einen neuen Rekord bei den Magistertiteln: 663 Studenten erhielten dieses Diplom, das sind 57 Prozent mehr als im Vorjahr. Ebenso wurde 16 Forschern der Doktortitel verliehen; davon sieben Geisteswissenschaftler, fünf Sozial- und vier Erziehungswissenschaftler.

Uni CafeteriaDiese erfolgreiche Abschlußquote ist aber nur möglich, weil an der Universität Haifa sehr gute Lernbedingungen herrschen.
Besonders das Lehrpersonal ist pädagogisch und wissenschaftlich hervorragend qualifiziert. Ihre wissenschaftlichen Leistungen werden in Israel und im Ausland geschätzt und mit Ehrungen, Stipendien und Berufungen versehen. Drei Professoren sind Träger des Israel Preises, der höchsten Auszeichnung des Staates an seine Bürger, und zwei Forscher haben ein Minerva-Stipendium aus Deutschland erhalten, damit sie ein eigenes Forschungsinstitut aufbauen können. Auch in der Politik ist der Rat der Universität Haifa gefragt: Politikwissenschaftler waren Berater der israelischen Delegation während der Friedensverhandlungen mit der PLO, ein Rektor wurde zum israelischen Botschafter in Moskau ernannt und ein Politikwissenschaftler zum Sprecher der Knesset. Ebenso werden Fakultätsangestellte regelmäßig zu Vorträgen ins Ausland eingeladen.

Doch die Universität Haifa ist kein wissenschaftlicher Elfenbeinturm. Der Dienst für die Gemeinschaft ist ein wichtiger Bestandteil im Lehrprogramm.
Viele Studenten unterstützen neben ihrem intensiven Studium hilfsbedürftige alte und junge Menschen in der Stadt Haifa und den umliegenden Dörfern. Dieser Gemeinschaftsdienst hat vielfältige Formen: Studenten geben lernschwachen Schülern Nachhilfeunterricht, bereiten äthiopische Juden auf das Studium vor oder bringen älteren Drusen und Arabern Lesen und Schreiben bei. Eine beliebte Einrichtung ist die “Rechtshilfe-Klinik”, die an die Fakultät für Rechtswissenschaften angeschlossen ist. Hier können sich Männer und Frauen, die sich keinen Rechtsanwalt leisten können, Rat und Hilfe bei jungen Juristen holen.

arabische StudentinnenDie junge Universität von Haifa ist ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Realität in Israel und gleichzeitig ein Modell für die Zukunft im Nahen Osten.
Denn in einer Atmosphäre der friedlichen Koexistenz, der Toleranz und des gegenseitigen Respekts lernen Juden, Araber, Neueinwanderer und Drusen wie sie eine gemeinsame Vision für das 21. Jahrhundert verwirklichen können, indem sie Vorurteile abbauen und Freunde werden.