Sonja Lahnstein in der Financial Times Deutschland zum Thema soziale Eliten
Erschienen in der Financial Times Deutschland am 22. Oktober 2008 (Original Artikel im PDF Format)
Nachrichten über Managementfehler und mangelnde soziale Führungskompetenzen durchziehen deutsche Medien. Gleichzeitig schicken laut einer Studie 80 Prozent der deutschen Unternehmen ihre Mitarbeiter als ehrenamtliche Helfer in Förder- und Hilfsprojekte - ohne dies als Qualitätsmerkmal oder beim Werben um Talente auch nur zu erwähnen.
Beide Beispiele zeigen, dass in Deutschland soziale Kompetenz gilt. Trot Global-Management-Seminaren an Provatuniversitäten und Chinesischunterrricht in Grundschulen fehlt hierzulande ein wichtiger Baustein, gerade für den globalen Wettbewerb: das sozial geschulte Bewusstsein für nachhaltiges Handeln, das immer auch lokal verankert ist. In denUSA ist es schon längst ein Musthave und der Goldfaden in Elite- Lebensläufen.
Auch in den deutschen Stundenplan wäre soziale Bildung integrierbar. Ein Vorbild sind weiterführende Schulen, die mit dem angesehenen 2International Baccalaureate” -Abschluss auch selbst gewählte Sozialarbeit einfordert - und die Schüler dabei anleiten.
Wichtig dafür sind Zeit und Raum. Diesen Rahmen können nur Ganztagsschulen bieten.
Auch Hochschulen sollten ihre fachliche Ausbildung stärker mit Gemeinschaftsprojekten verzahnen. Das Community-Leadership-Projekt der israelischen Universität Haifa zum Beispiel fördert BWL-Studenten, die soziale Projekte nicht nur unterstützen, sondern analysieren und unternehmerisch managen. Kurz: Sie bildet “Social Entrepreneurs” aus.
Schulen wie Universitäten können ihre Ausbildung durch soziale Karrierebausteine stärker mit der Praxis verbinden. Personalberater in Unternehmen erhalten so einen weiteren Qualitätsschlüssel zur Auswahl von Absolventen, aber auch für die eigene Reputation. International ist dieser Baustein bereits etabliert.
Auch in Deutschland gilt es, dem Ausgeprägten sozialen Bewusstsein eine Karriere zu ermöglichen - und sozial kompetente Führungseliten heranzubilden.
Studie der Uni Haifa: Kluft zwischen Juden und Arabern tiefer
Der deutsche Nachrichtensender n-tv berichtet am 7. April über eine neue Studie der Universität Haifa über das Verhältnis von jüdischen und arabischen Bürgern des Staates Israel. Danach haben beide Bevölkerungsgruppen »erhebliche Angst« voreinander.
Für den »Index für die Beziehungen von Arabern und Juden in Israel« des Jahres 2007 haben Haifaer Wissenschaftler unter Leitung des Soziologen Prof. Sami Samocha im vergangenen Jahr 699 jüdische und 719 arabische Bürger Israels befragt. Ein erschreckendes Ergebnis der Umfrage war, dass zwischen beiden Bevölkerungsgruppen scheinbar großes Misstrauen herrscht. 62 Prozent der Juden befürchten zivilen Ungehorsam ihrer arabischen Mitbürger, die immerhin ein Fünftel der Bevölkerung Israels ausmachen. 64,6 Prozent der Juden gaben an, dass sie es vermeiden, arabische Städte zu betreten. Umgekehrt rechnen 62 Prozent der Araber mit ihrer Vertreibung und 76 Prozent – das sind gut drei Viertel - befürchten »staatlich organisierte Gewalt« gegen die arabische Minderheit.
Bei allem gegenseitigen Misstrauen: Juden und Araber scheinen sich in Israel wohl zu fühlen. 86 Prozent der Juden und 75 Prozent der Araber glauben »dass Israel ein guter Ort für das Leben« sei. 85 Prozent der Juden und 71 Prozent der Araber können sich kein besseres Land als Israel vorstellen. Etwas paradox angesichts der geäußerten Angst vor staatlichen Repressionen gegen Araber glauben immerhin 58 Prozent der Araber, dass die israelische Demokratie auch für sie gelte.
Der Anteil der Araber, die Israels Existenzrecht als jüdischer Staat verweigert, stieg geringfügig auf 64 Prozent an. Ein Fünftel der Araber (20 Prozent) verweigern das Existenzrecht des Staates Israel ganz und gar. Das sind fünf Prozent mehr als im Vorjahr.
Gefragt, ob sie Israels Existenzrecht als jüdische und demokratische Nation in den Grenzen von 1967 anerkennen, in der Juden und Araber gemeinsam leben können, stimmten nur 49 Prozent der Araber zu. Im Jahr zuvor waren es noch 67,5 Prozent, womit die Zustimmung zu diesem Punkt unter den arabischen Israelis signifikant abgenommen hat.
Umgekehrt verweigert 18 Prozent der jüdischen Öffentlichkeit das Existenzrecht der arabischen Minderheit – ein Anstieg um zwei Prozent. Dagegen stieg die Bereitschaft der arabischen Israelis, die Interessen der arabischen Minderheit mit Gewalt durchzusetzen, leicht von 9,5 auf 10,8 Prozent.
Auf der anderen Seite befürchten 80 Prozent der jüdischen Bürger, das sind vier von fünf, dass ihre arabischen Mitbürger den palästinensischen Nationalkampf unterstützen könnten. Gegenüber dem Vorjahr ging diese Zahl jedoch um 3,1 Prozent zurück.
Grundsätzlich scheint das gegenseitige Misstrauen bei den Arabern stärker ausgeprägt zu sein als bei den Juden. 60,2 Prozent gaben an, den Juden zu misstrauen. Unter den befragten Juden waren es 48,3 Prozent, die den Arabern misstrauen. Immerhin 37 Prozent der Juden würden eine Ausweisung der Araber unterstützen und ein Drittel sprach sich laut Umfrage dafür aus, den Arabern das Wahlrecht zu nehmen.
Professor Samocha, der Leiter der Studie, interpretierte seine Zahlen so, dass die Kluft zwischen der jüdischen und der arabischen Bevölkerung Israels binnen eines Jahres tiefer geworden sei. Gleichwohl sei keine Tendenz zu Extremismus bei den Arabern oder zu einer verstärkten Wagenburg-Mentalität bei den Juden zu erkennen, so der Professor von der Abteilung für Soziologie und Anthropologie der Universität Haifa.
(Quelle: n-tv)
Enge Familienbande bringen unabhängigere Erwachsene hervor
Haifa, 2. Dezember 2007. Junge Erwachsene, die ein enges Verhältnis zu ihren Eltern pflegen, sind oft unabhängiger in ihren Lebensentwürfen als solche, deren Verhältnis zu den Eltern distanziert ist. Das ist das Ergebnis einer Studie der Haifaer Wissenschaftlerin Dr. Irit Yanir, bei der sie Interviews mit Psychologen, Eltern und jungen Erwachsenen zwischen 23 und 27 Jahren führte. Dabei kam heraus, dass junge Erwachsene, die ein enges und harmonisches Verhältnis zu ihren Eltern pflegen, finanziell abgesicherter, unabhängiger im täglichen Leben sowie beruflich gefestigt waren. Sie fühlten sich zudem reifer und hatten stabile Liebesbeziehungen. Diejenigen mit einem distanzierten Verhältnis zu ihren Eltern, die Entscheidungen aus einem Bedürfnis treffen, gegen die eigenen Eltern zu rebellieren, zeigten sich dagegen im täglichen Leben weniger autonom und emotional gefestigt.
Computer erkennen Kunstwerke
Haifa, 5. November 2007. Wissenschaftler von der Universität Haifa bringen Computern bei, echte van Goghs von Fälschungen zu unterscheiden. Ein mathematisches Programm, das am Institut für Informatik der Universität Haifa entwickelt wurde, befähigt die Rechner, den Malstil bestimmter Künstler zu identifizieren. Dabei übersetzt das Programm Bilder von Natur, Menschen, Blumen und anderen Motiven in eine Reihe mathematischer Symbole anhand derer der Computer den individuellen Malstil eines Künstlers erkennt. Dadurch kann er auch Kunstwerke, die ihm noch nie vor die Linse gekommen sind und die andere Motive zeigen, einem bestimmten Maler zuordnen. »Sobald der Computer lernt, das Uhrenbild von Salvador Dali zu erkennen, wird er auch andere Werke Dalis ohne Uhren erkennen. Sobald er die Wirbel von van Gogh erkennt, wird er sie auch in Bildern des Künstlers erkennen, die er noch nie zuvor gesehen hat«, so Prof. Keren, der das Programm entwickelt hat. Seine Arbeit ist ein Schritt vorwärts in dem Forschungsgebiet der Computervision. Gemäß Prof. Keren ist das Sehvermögen der Computer jedoch noch immer dem der Menschen unterlegen. So können die Rechner etwa keine Gesichter erkennen. Prof. Keren: »Das menschliche Sehvermögen hat sich in Millionen Jahre Evolution entwickelt. Unser Fachgebiet ist dagegen erst 30 Jahre alt.« Gegenwärtig ist das Kunsterkennungs-Programm von der Uni Haifa für Kunstliebhaber ohne große Vorkenntnisse hilfreich, aber nicht für ausgewiesene Kunstexperten.
Prof. Kerens Arbeit wurde bereits 2003 publiziert und wird nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.
Besuch von hochrangigen Vertretern britischer Universitäten
Haifa, 24. Oktober 2007. Eine Delegation von Universitätsrektoren aus Großbritannien hat die Universität Haifa besucht, um nach den gescheiterten Boykottdrohungen der britischen Hochschullehrergewerkschaft UCU ihre Solidarität mit israelischen Akademikern zu zeigen. Sie trafen mit Unipräsident Prof. Aaron Ben-Ze’ev, der Vizepräsidentin für Außenbeziehungen Prof. Ada Spitzer, dem Vizepräsidenten und Forschungsdekan Prof. Majid Al-Haj, Vizerektor Prof. David Faraggi sowie hochrangigen Fakultätsangehörigen zusammen und berieten über Möglichkeiten für akademische Kooperationen zwischen Israel und Großbritannien. Der Präsident der Universität Haifa, Prof. Aaron Ben Ze’ev äußerte seine Freude über die Einstellung des Boykottvorhabens: »Wir müssen uns nun auf die Forschung und die wissenschaftliche Zusammenarbeit konzentrieren.«
Die Delegation, die von der britischen Regierung unterstützt wurde und Akademiker aus Schottland, Wales und England umfasste, wurde von Prof. Rick Trainor, Präsident von Universities UK und Vizekanzler des King’s College London angeführt. Prof. Trainor drückte seine Bestürzung über das geplante Boykottvorhaben britischer Hochschullehrer aus: »Es gibt einen absoluten Widerspruch zwischen der akademischen Welt und Boykottdrohungen.« Die anwesenden Fakultätsangehörigen der Universität Haifa schlugen die Gründung einer binationalen Wissenschaftsstiftung vor, die britisch-israelische Forschungsvorhaben fördern könne.
Neuer Vorsitzender des Exekutivausschusses
Haifa, Oktober 2007. Der frühere Generaldirektor des israelischen Finanzministeriums, Dr. Yossi Bachar, ist zum neuen Vorsitzenden des Exekutivausschusses der Universität Haifa gewählt worden. Von 2003 bis 2007 hatte der 52-Jährige seinen Posten beim Finanzministerium inne und in dieser Zeit wichtige makroökonomische Reformen in Gang gebracht, die zu einem Aufschwung der israelischen Wirtschaft führten. Vor seiner Zeit beim israelischen Finanzministerium arbeitete Dr. Bachar als Manager bei einem der führenden israelischen Wirtschaftsprüfungsunternehmen.
Dr. Bachar schloss sein Wirtschaftsstudium an der Hebräischen Universität Jerusalem mit Auszeichnung ab. Er promovierte an der Universität von Kalifornien in Berkeley. Von 1986 bis 1991 war er Fakultätsmitglied an der Graduate School of Business der Columbia Universität. In den frühen 1990 er Jahren war er Berater der israelischen Sicherheitsbehörde und gehörte der Fakultät der Business School an der Universität von Tel Aviv an.
Dr. Bachar dankte den Mitgliedern des Exekutivausschusses für seine Wahl und sagte, er freue sich auf die Herausforderung dieses Amtes: »Wir haben die Möglichkeit, die Universität Haifa weiter zu entwickeln und zu einem Anker für die ökonomische Entwicklung der Stadt Haifa und ganz Nordisraels zu machen.«
Zufallsfund: Antiker Abwasserkanal Jerusalems
Haifa, 10. Sept. 2007. Archäologen von der Universität Haifa und der israelischen Antikenbehörde haben bei Ausgrabungen in Jerusalem einen sensationellen Fund gemacht: einen 2000 Jahre alten Abwasserkanal, der sehr wahrscheinlich als Fluchttunnel bei der Eroberung der Stadt durch die Römer diente. Per Zufall stießen die Archäologen bei der Freilegung einer Herodianischen Straße südlich des Jerusalemer Tempelbergs auf den in den Fels gehauenen Tunnel.
Tonscherben und Münzen erlauben es, den Abwasserkanal etwa auf das Jahr 70 nach Christus zu datieren - dem Zeitpunkt vom Fall Jerusalems und der Zerstörung des Tempels durch die Römer. Die Forscher fanden auch Kochgeschirr und Brandspuren, die darauf hindeuten, dass sich Menschen längere Zeit darin aufgehalten haben. Bisher wurden von dem mannshohen Tunnel, der unter Schutt begraben war, etwa 100 Meter freigelegt. Wahrscheinlich führt er vom Süden der Altstadt an der Klagemauer vorbei, über einen Kilometer weit bis zum Damaskustor im Norden. Die Wände des Tunnels sind aus bis zu ein Meter dicken Quadersteinen gebildet und bis zu drei Meter hoch. Der Kanal diente wahrscheinlich als Hauptabwasserleitung des antiken Jerusalem und führte Regenwasser aus der Stadt hinaus ins Kidrontal, von wo es ins Tote Meer abfloss. Ausgrabungsleiter Ronny Reich, Archäologieprofessor an der Universität Haifa, sagte, das antike Jerusalem in der Periode des Königs Herodes und zur Zeit Jesu sei eine sehr moderne Stadt mit guter Infrastruktur gewesen. Nach Angaben von Eli Schukrun von der Antikenbehörde, der die Ausgrabung zusammen mit Prof. Reich leitete, scheinen aufständische Juden in den Untergrund geflüchtet zu sein, als die Römer im Jahr 70 die Stadt und auch den Tempel in Schutt und Asche legten. Keine der gefundenen Münzen und Tonscherben ist jüngeren Datums. Das deutet darauf hin, dass der Abwasserkanal nach dem Fall Jerusalems in Vergessenheit geriet. Tausenden von Jerusalemer Bürgern mag er aber als Fluchtweg vor dem sicheren Tod bei der Brandschatzung der Stadt gedient haben.
Energie aus dem Meer
Haifa, 23. Aug. 2007. Knapp unter dem Meeresboden lagert Gas, das einmal als Alternative zum Erdöl dienen könnte. Das hoffen Wissenschaftler des neuen Instituts für Meereswissenschaften an der Universität Haifa und der Stanford Universität. In einem gemeinsamen Forschungsvorhaben suchen sie nach Möglichkeiten, wie aus dem unterseeischen Gas, das prinzipiell weltweit zu finden ist, Energie gewonnen werden kann. »Eines der vordringlichsten Ziele des neuen Forschungsinstituts ist, die Möglichkeiten der Energiegewinnung aus dem unterseeischen Gas zu erforschen und damit die Abhängigkeit vom Öl zu beseitigen«, sagte Leon Charney, der mit einer acht Millionen-Dollar-Spende die Gründung des Intituts für Meereswissenschaften ermöglicht hatte, das nun seinen Namen trägt.
Am neuen Institut für Meereswissenschaften wird interdisziplinär zu Themen wie Geologie, Geophysik, Biologie sowie Marinestrategie und Archäologie geforscht.
Fußabdruck aus der Antike
Haifa, 18. August 2007. Der Abdruck einer römischen Sandale, konserviert über fast 2.000 Jahre – diesen spektakulären Befund fanden israelische Archäologen bei Ausgrabungen in der römisch-hellenistischen Stadt Sussita im Osten des Sees Genezareth. Der Abdruck unweit der Stadtmauer von Sussita stammt von einer römischen Militärsandale, was ein neues Bild auf die Verhältnisse im römisch besetzten Palästina wirft. Der Fußabdruck entstand höchstwahrscheinlich beim Bau der Stadtmauer. Das Erstaunliche: Bisher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass die römischen Besatzer nicht in Bauprojekte israelischer Städte involviert waren. Der mutmaßliche Fußabdruck eines römischen Legionärs legt nun nahe, dass die Soldaten doch beim Bau der Stadtmauer halfen. Ausgrabungsleiter Arthur Segal von der Universität Haifa hat eine andere Vermutung: »Es kann sein, dass der Besitzer der Sandale kein Wehrdienstleistender, sondern ein alt gedienter Soldat gewesen ist, der seine Ausrüstung nach Ende seiner Militärzeit behalten hat.« Im vergangen Jahr waren in Sussita zwei Inschriften gefunden worden, die von zwei Bewohnern stammten, die zuvor in der römischen Armee gedient hatten. Die Stadt Sussita bestand rund 1.000 Jahre, bevor sie im 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung durch ein Erdbeben völlig zerstört und nie wieder aufgebaut wurde. (Quelle: www.israelnetz.com)
Prof. Majid Al-Haj zum Vizepräsident für Forschung ernannt
Haifa, 5. Juli 2007. Der Aufsichtsrat der Universität Haifa (Board of Governors) hat Prof. Majid Al-Haj zum Vizepräsidenten und Forschungsdekan gewählt. Prof. Al-Haj ist Soziologe und forscht zu den Themen Multikulturalismus, politische Soziologie, ethnische Beziehungen und Immigration. Er lehrte als Gastprofessor unter anderem an der Carleton University in Kanada und der Duke University in den Vereinigten Staaten. Prof. Al-Haj engagiert sich in zahlreichen Gremien. Als erster Araber gehörte er dem israelischen Rat für höhere Bildung an. Daneben war er unter anderem Vorsitzender des Komittees für die Förderung der höheren Bildung unter der arabischen Bevölkerung in Israel.
